Was ist Yoga?

Was ist Yoga?

Grundsätzlich kann man diese Frage in Sekunden ergoogeln, findet x Antworten und ist am Ende nicht schlauer als zuvor. Ich stelle mir diese Frage „Was ist Yoga“, begann zu recherchieren und stellte fest – dass die Antwort wirklich nicht so einfach ist.

Yoga ist der Name für ein Denk- und Handlungs-System zur Erlangung innerer und äußerer Ausgeglichenheit durch wahres Erkennen des Selbst und dessen, was um einen herum geschieht.
Ziel dessen ist das Erkennen und Vermeiden von Hindernissen. Hindernisse, die uns davon abhalten ein zufriedenes, erfülltes Leben zu führen.

Es ist ein System, welches selbst Teil eines übergeordneten Systems ist.

Dieses grundlegende, historische indische Denksystem wurde darshana genannt, was die Sicht, die Schau oder eine bestimmte Art des Sehens bedeutet. Es umfasste die 6 Systeme

  1. Nyaya
  2. Vaisheshika
  3. Samkhya
  4. Yoga
  5. Mimamsa
  6. Vedanta

Die 8 Stufen des Yoga werden wie folgt bezeichnet:

  1. Yama
  2. Niyama
  3. Asana
  4. Pranayama
  5. Pratyahara
  6. Dharana
  7. Dhyana
  8. Samadhi

(Auf die einzelnen Systeme werde ich in einem anderen Beitrag eingehen.)

Als was wird Yoga im Allgemeinen betrachtet?

Der nicht Yoga-treibende kennt Bilder mit ruhigen, eine einzelne Stellung haltenden, Menschen. Also wird Yoga oft als höchst langsamer, sehr beruhigender „Sport“ betrachtet.

Yoga ausführende wissen jedoch, dass von sehr ruhigem Yin- oder Restorative-, bis zum Power-Yoga oder Ashtanga alle Formen der Anstrengung in dieser „Sportart“ zu finden sind.

Weiter erfahrene Yogi(ni)s empfinden es als Meditation in Bewegung.
Damit kommen wir dem ursprünglichen Gedanken hinter diesem System schon sehr nahe.

Yoga als Meditation

Die schönsten Yogastunden sind wohl die, nach denen man geistig aufwacht, den Körper aufgrund der wundervollen Bewegungen spürt und sich ansonsten nur erinnern kann, wie man in den Raum kam.

Der Geist durchlief eine kleine Formatierung.

Wie oft kommt man mit vollem, problembeladenem Kopf in den Unterricht und beim Zusammenrollen der Matte ist klar, wie man dem zu begegnen hat.

90 Minuten keine Zeit über sich und andere nachzudenken. Man ist damit beschäftigt gleichmäßig zu atmen und für ujai die Stimmritze zu verengen.

Gleichzeitig ist man  damit beschäftigt sich auszubalancieren, den Punkt zwischen Forderung und Überforderung der Muskeln und Sehnen zu finden und den Atemrhythmus nicht zu verlieren.

Immer wieder betrachtet man die Haltung mit dem inneren und manchmal auch äußeren Auge. Man geht tiefer in die Position, oder korrigiert sie. Zwischendurch immer wieder zum Atemrhythmus zurückfinden und ihn behalten.

Volle Konzentration nach innen und gleichzeitiges halten des Außen.

Der Lehrer spricht, die Augen sind geschlossen, oder der Blick in der Ferne verloren. Man findet sich in Positionen, die man nicht für möglich gehalten hätte und wenn man diese Blase des Nichtdenkens verlässt fühlt man sich frisch und ausgeruht. Der Körper ist achtsam Stück für Stück bearbeitet, der Geist zur Ruhe gekommen.

Aber ist das alles, was Yoga zu bieten hat?

Wie wir oben bereits gesehen haben steckt viel mehr darin.

Yoga als Zustand

Patanjali sagt im Yoga Sutra 1.12 „Durch Üben und durch die Fähigkeit loszulassen kann unser Geist den Zustand von Yoga erreichen.

Die Katha-Upanishad sagt dazu „Wenn die Sinne gestillt sind, wenn die Gedanken ruhen, der Verstand nicht mehr schwank, dann – sagen die Weisen – ist der höchste Zustand erreicht. Diese standhafte Beherrschung der Sinne und der Gedanken wurde Yoga genannt. Wer dieses erreicht, ist frei von Täuschung.

Ist Yoga nun ein Zustand oder ein Weg? Es ist beides zugleich. Es ist Zustand und Weg. Haltung und Bewegung in einem. Es ist die Fähigkeit unseren Geist ohne Störung oder Ablenkung auszurichten, zu fokussieren ohne in einer Position (physisch und psychisch) festzustecken.  

Yoga als Weg

Laut T.K.V. Desikachar bezeichnet das Wort Yoga jede Bewegung von einem zu einem anderen, höheren, Punkt, der uns zuvor unerreichbar war. Dies ist ungeachtet ob es sich um eine physische oder psychische Bewegung handelt.

Ein Weg der Selbsterforschung, ein Erfahren des inneren und äußeren Ich um zu einem höheren Selbst zu werden.

Warum spricht man davon Yoga zu üben?

Geht es darum in den perfekten stehenden Spagat zu kommen, oder im Baum nicht mehr zu wackeln?

Ein Aspekt von Yoga ist „etwas zu erreichen, was bisher unerreichbar war„. Jede Bewegung zu einem Entwicklungs-Punkt an dem wir zuvor noch nicht waren wird als Yoga bezeichnet. (Yoga als Weg)

Bildlich vergleichbar ist dies mit dem Aufstieg auf einen Berg. Das Aufsteigen ist das Sinnbild für das Üben. An jedem Punkt an dem wir innehalten und uns umsehen, werden wir feststellen, dass wir einen noch besseren Überblick über die Landschaft erhalten. (Yoga als Zustand)

In der Art erhalten wir beim Üben aller Teile, aus denen Yoga besteht, einen besseren Überblick über unseren physischen, sowie psychischen Zustand. 

Dies mag ein zunächst nicht einfach zu verstehender Punkt sein. Ich gehe in weiteren Artikeln näher auf die einzelnen Aspekte von Yoga ein

Der nächste Schritt

Wie oben zu sehen, ist Yoga ein System aus 8 Teilen. Eines davon ist Nr. 3 Asana, was Stellung oder Haltung bedeutet. Wir kennen es aus Tadasana = der Berg oder Ado-Mukha-Shvanasana = herabschauender Hund.

Wenn wir betrachten, dass das Wort Yoga die Bezeichnung für ein System aus 8 Teilen ist, und der stehende Spagat, der Baum, der herabschauende Hund und alle anderen Haltungen ‚nur‘ zu dem Teil gehören der Asana genannt wird, dann wird klar, dass noch 7 weitere Teile fehlen um sich wirklich mit YOGA zu beschäftigen.

Ich empfinde Yoga als eine ganzheitliche – also physische, wie psychische – Therapie, die aus ineinandergreifenden Elementen besteht. Nur Asana zu üben ist zwar bereits sehr befriedigend – im Wortsinn inneren Frieden bringend – doch um dem Ziel „höheres Selbst“ ehrlich näher zu kommen ist die Betrachtung und Anwendung des gesamten Systems nötig.

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